Monika Aring da Silva Ramos Mauro, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Abstract: This article examines the acquisition and administration of church property in Portugal in the 12th and 13th centuries, using the example of the Collegiate Church of St. Christopher in Coimbra. The conquest of the city and its surrounding area in 1064 and the associated political, demographic and ecclesiastical restructuring processes serve as the central historical framework. This article summarises the main findings of a seminar paper written during an Erasmus stay at the University of Coimbra in the winter semester of 2024/2025.
Resumo: O presente artigo analisa a aquisição e a administração do património eclesiástico em Portugal nos séculos XII e XIII, tomando como estudo de caso a Colegiada de São Cristóvão de Coimbra. A conquista da cidade e do seu termo em 1064, bem como os processos de reorganização política, demográfica e eclesiástica a ela associados, constituem o principal enquadramento histórico da análise. Este artigo sintetiza os principais resultados de um trabalho de seminário desenvolvido no âmbito de uma estadia Erasmus na Universidade de Coimbra, durante o primeiro semestre do ano letivo 2024/2025.
Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag untersucht den Erwerb und die Verwaltung kirchlichen Vermögens im Portugal des 12. und 13. Jahrhunderts am Beispiel des Kollegiatstifts St. Christophorus von Coimbra. Dabei dienen die Eroberung der Stadt und ihres Umlands im Jahr 1064 sowie die damit verbundenen politischen, demografischen und kirchlichen Neuordnungsprozesse als zentraler historischer Rahmen. Dieser Beitrag fasst die Hauptergebnisse einer Seminararbeit zusammen, die im Rahmen eines Erasmusaufenthaltes an der Universität Coimbra im Wintersemester 2024/2025 entstanden ist.
Die Geschichte der portugiesischen Stadt Coimbra reicht bis in die Antike zurück, als sie unter dem Namen Aeminium bekannt war. Wie weite Teile Portugals geriet die Stadt im Jahr 714 unter muslimischer Herrschaft. Erst 1064 wurde Coimbra von Ferdinand dem Großen, König von León, erobert, der die Regierung der Stadt dem mozarabischen Ritter Sesnando Davides übertrug. Während seiner Amtszeit widmete sich Sesnando vor allem der Sicherung der Grenze gegenüber der muslimischen Welt sowie der Förderung der Besiedlung der Stadt und ihres Umlandes.
Mit der Wahl Paternos zum Bischof im Jahr 1080 wurde auch die Diözese von Coimbra wiederhergestellt. Dieser ging ein Bündnis mit Sesnando ein, mit dem Ziel, die kirchlichen Strukturen Coimbras neu zu organisieren. Diese kirchliche Reorganisation war weniger durch die Notwendigkeit motiviert, den lokalen christlichen Glauben zu erneuern, der sich aufgrund der starken Präsenz mozarabischer Gruppen während der muslimischen Herrschaft vergleichsweise lebendig erhalten hatte. Vielmehr zielte die diözesane Neuordnung auf die Schaffung von Mechanismen zur Beherrschung, Strukturierung und Nutzung des „neuen“ Territoriums sowie seiner wachsenden Bevölkerung ab.1
Sowohl der Besiedlungsprozess als auch die Umstrukturierung des kirchlichen Netzes von Coimbra setzten sich während der Regierung des Grafen (und späteren Königs) Alfons fort. Dieser ließ sich 1131 in der Stadt nieder, nachdem er den Hof von Guimarães nach Coimbra verlegt und die Stadt zur Hauptstadt der Grafschaft Portucale erhoben hatte. Die Ankunft Alfons‘ in Coimbra und die Fortführung der Politik zur Förderung der Besiedlung durch Schenkungen und territoriale Konzessionen führten zu einem erheblichen wirtschaftlichen Wachstum sowohl im ländlichen als auch im städtischen Raum. Dieses zog wiederum noch mehr Menschen nach Coimbra und bewirkte einen deutlichen demografischen Anstieg. Diejenigen, die von den Vorteilen des städtischen Lebens angezogen wurden, jedoch keinen Platz innerhalb der Stadtmauern fanden, ließen sich in den Vorstädten Coimbras nieder. Diese entwickelten sich rasch zum bevölkerungsreichsten Teil der Stadt.2
Das Bevölkerungswachstum betonte neuerlich die Notwendigkeit, die Einwohner Coimbras zu organisieren und in klar definierten Pfarreien zu integrieren. Im Hoch- und Spätmittelalter stellte die Pfarrei die stabilste Einheit der portugiesischen Gesellschaft dar und fungierte als Kern sämtlicher bevölkerungsbezogener, sozioökonomischer und religiöser Aktivitäten. Im 12. Jahrhundert durchlief Coimbra einen intensiven Prozess der pfarrlichen Aufteilung, der zur Schaffung von neun verschiedenen Pfarreien innerhalb und außerhalb der Stadtmauern führte. Innerhalb der Mauern, unweit von der Kathedrale, wurde eine dem heiligen Christophorus geweihte Kirche errichtet, die als Sitz der gleichnamigen Pfarrei diente und deren Kanoniker sich in einem Kollegiatstift organisierten.
Zum Grundeigentum des Kollegiatstifts St. Christophorus von Coimbra
Über die Anfänge des Kollegiatstifts St. Christophorus von Coimbra ist wenig bekannt, da keine Gründungsurkunde überliefert ist. Sicher ist jedoch, dass die Stiftskirche spätestens seit 1108 bestand.3 Das mittelalterliche Kirchengebäude existiert heute nicht mehr, da es im Jahr 1860 für den Bau eines inzwischen ebenfalls verfallenen Theaters abgerissen wurde. Demgegenüber ist heutzutage im portugiesischen Zentralarchiv, der Torre do Tombo in Lissabon, eine umfangreiche hoch- und spätmittelalterliche Dokumentation überliefert, die unter anderem Schenkungsurkunden sowie Kauf-, Tausch- und Pachtverträge der Kirche umfasst. Diese Quellen ermöglichen einen einzigartigen Einblick in die Strategien des Erwerbs und der Verwaltung städtischen und ländlichen Besitzes einer jungen Stiftspfarrkirche in einer Phase tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen.
Ein wesentlicher Teil der kirchlichen Einkünfte stammte aus den Ländereien, die das Kollegiatstift innerhalb und außerhalb der Stadtmauern Coimbras besaß. Die Quellen des 12. und frühen 13. Jahrhunderts sind vor allem durch den Erwerb städtischen und ländlichen Besitzes geprägt. Neben vereinzelten Kauf- und Tauschgeschäften spielten insbesondere testamentarische Schenkungen eine zentrale Rolle, die somit die Stiftskirche mit ihren ersten Ländereien ausstatteten und die materielle Grundlage für den Unterhalt der Kanoniker über die üblichen Gemeindegaben hinaus sicherten. Von besonderer Bedeutung war dabei das Wirken einer lokalen Familie namens Anaia, auf die die umfangreichsten Landschenkungen zurückgehen. Ihre enge Beziehung zur Stiftspfarrkirche ist über mehrere Generationen hinweg nachweisbar.
Mit der Eroberung der Stadt Coimbra und ihrer Umgebung im Jahr 1064 gingen die zuvor unter muslimischer Herrschaft stehenden Ländereien vor allem in das Eigentum weltlicher und gelangten in der Folge durch Schenkungen auch in kirchliches Eigentum. Die politische Herrschaft über das Land bedeutete jedoch nicht zwangsläufig dessen systematische Nutzung. Im Allgemeinen bestand ein Überfluss an Großgrundbesitz, der noch gerodet und kultiviert werden musste, während die hierfür erforderlichen menschlichen, materiellen und technischen Ressourcen begrenzt waren. Im Zuge der Wiederbesiedlungspolitik der Region wurden die enfiteutischen Vertragsbeziehungen schrittweise wiederhergestellt. Deren Ziel war es, die Ländereien wirtschaftlich nutzbar zu machen. Diesen Prozess beschreibt der portugiesische Jurist Mário Júlio de Almeida Costa als eine gelungene „Interessenkonvergenz zwischen jenen, die über unerschlossenes Land verfügten, und jenen, die die Arbeitskraft besaßen“.4 In Coimbra waren es vor allem kirchliche Institutionen, die über umfangreichen Landbesitz verfügten und diesen Prozess maßgeblich vorantrieben, darunter auch das Kollegiatstift St. Christophorus.
Während sich das Stift im 12. Jahrhundert vor allem um den Erwerb von Land bemühte, lässt sich im 13. Jahrhundert eine stärkere Ausrichtung auf die Nutzung und Verwaltung des bestehenden Vermögens feststellen. Nun begann das Stift seine Ländereien gezielt zu vergeben, um eine sesshafte Bevölkerung zu schaffen und zugleich regelmäßige sowie stabile Einkünfte zu erzeugen. Dabei lassen sich unterschiedliche Modalitäten der Vergabe des Landes beobachten, die sich vor allem nach der Größe des Landguts und seiner Entfernung zur Stadt richteten.
Der ewige Pachtvertrag (carta de foro, auch aforamento genannt) sah die dauerhafte Nutzung eines Grundstücks entweder durch die gesamte Einwohnerschaft einer Region oder durch eine einzelne Familie und deren Nachkommen vor. Diese Vertragsform wurde vor allem auf größere und außerhalb des Landkreises Coimbra gelegene Besitzungen angewandt, da gerade unbebaute und öde Gebiete besonders von einer kontinuierlichen Besiedlung und Bewirtschaftung profitierten. Aufgrund des häufig verwilderten Zustands dieser entlegenen Ländereien wurden die Naturalabgaben in den ersten Jahren des Vertrages vergleichsweise niedrig angesetzt.
Neben den dauerhaften Pachtverträgen sind auch befristete Vertragsformen belegt, die in zwei Typen unterschieden werden können. Die sogenannten emprazamentos waren auf die Lebenszeit des Pächters angelegt, während die arrendamentos auf wenige Jahre beschränkt waren, in der Regel weniger als zehn. Letztere Vertragsform war für beide Parteien weniger vorteilhaft und daher weniger verbreitet, da die kurze Laufzeit häufig zu einer intensiven Ausbeutung der Böden führte, was deren Fruchtbarkeit rasch beeinträchtigte.
Obwohl die aforamentos während des gesamten 13. Jahrhunderts vorkommen, lässt sich ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein deutlicher Anstieg befristeter Verträge beobachten. Der emprazamento entwickelte somit gegen Ende des 13. Jahrhunderts zur bevorzugten Form der Landverwaltung des Kollegiatstifts. Die Beschreibung der verpachteten Parzellen zeigt zudem, dass diese Vertragsform vor allem für kleinere Grundstücke bevorzugt wurde, die sich im Landkreis Coimbra befanden, teils in unmittelbarer Nähe der Stadtmauern oder sogar innerhalb der befestigten Stadt. Diese Grundstücke verfügten in der Regel bereits über Olivenhaine, Weingärten sowie über die notwendigen Anlagen zur Verarbeitung der Ernte. Der Arbeitsaufwand hier war deutlich geringer als bei den großflächigen, weitentfernten Ländereien. Zudem bestanden die jährlichen Abgaben in den emprazamentos überwiegend aus Geld, was auf die zunehmende Monetarisierung der städtischen Wirtschaft zurückführen ist.
Fazit
Das Kollegiatstift St. Christophorus in Coimbra zeigt exemplarisch, wie kirchliche Institutionen im Zuge der christlichen Eroberung Portugals, der Neubesiedlung ehemals muslimischer Gebiete und der territorialen sowie kirchlichen Neuordnung Grundbesitz erwerben und verwalten konnten. Dabei lag der Fokus dieser Untersuchung auf den unterschiedlichen Formen der Verpachtung und darauf, wie diese dem Stift stabile Einkünfte sicherten und zugleich eine sesshafte Bevölkerung förderten. Insgesamt verdeutlicht das Beispiel des Kollegiatstifts, wie wirtschaftliche, soziale und territoriale Strategien miteinander verknüpft wurden, um die Stellung der Kirche in Stadt und Umland nachhaltig zu festigen.
Photo: Älteste Abbildung der Stadt Coimbra. Die Kirche St. Christophorus ist südlich der Kathedrale dargestellt und mit dem Buchstabe G gekennzeichnet, in: Braun, Georg; Hogenberg, Franz (Hrsg.), Civitates orbis terrarum, Bd. 5: Urbium praecipuarum mundi theatrum quintum, Köln 1599, S. 4a, URL: [https://doi.org/10.11588/diglit.16956#0035] (11.03.2026).
- Bastos, Mário Jorge da Motta, A estruturação da Igreja na Península Ibérica: a Diocese de Coimbra (sécs. XI–XII), in: Mirabilia26 (2018), S. 50, 55f. [↩]
- Ventura, Leontina, Coimbra Medieval: Uma cidade em formação, in: Inventário do Museu Nacional Machado Castro. Colecção de Ourivesaria Medieval. Séculos XII‑XIV, hrsg. von Adília Alarcão , Lisboa 2008, S. 16; Campos, Maria Amélia Álvaro de, Cidade e Religião. A colegiada de Santa Justa de Coimbra na Idade Média, Coimbra 2017, S. 47, 52. [↩]
- Aus diesem Jahr stammt eine Verkaufsurkunde, in dem ein Einwohner Coimbras namens Paio gemeinsam mit seiner Ehefrau Comba und einer weiteren Frau ein Haus neben der Kirche St. Christophorus an Cid und dessen Ehefrau Aldora verkaufte. Es handelt sich hierbei um die älteste erhaltene Erwähnung der Stiftskirche. Siehe Matos, João José da Cunha, A colegiada de São Cristóvão de Coimbra (sécs. XII e XIII), Tomar 1998, S. 92, Nr. 5 (unveröffentlichte “prova de aptidão pedagógica e capacidade científica”). In dieser Arbeit wurde die gesamte Dokumentation des Stiftes aus dem 12. Und 13. Jahrhundert transkribiert. [↩]
- Zitat eigenständig übersetzt aus: Costa, Mário Júlio do Almeida, Os contratos agrários e a vida económica em Portugal na Idade Média, in: Anuario De Historia Del Derecho Español 49 (1979), S. 162. [↩]



