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Muslime als Experten in den repartimientos von Sevilla und Écija (ca. 1248–1268): Funktion, Wahrnehmung und Routine

Maximilian Schesler, Universität Münster

Abstract: This article examines the exemplary cases of Sevilla and Écija, taking into account their surrounding countryside, to investigate the role of experts in the process of repartimientos in 13th-century Andalusia. Therefore, it applies the methodological approach of the Research Training Group in Göttingen “Expertenkulturen” to shed new light on the phenomenon of repoblación through a sociology-of-knowledge approach. The study focuses on the communicative construction and performative production of the role of Muslim experts. It is based on a master’s seminar paper completed in the autumn term of 2025/26.

Resumen: El siguiente artículo examina el papel de los expertos asesores en la repoblación de la zona de Sevilla y Écija, incluyendo sus alrededores. Se aplica el enfoque metodológico de la Escuela de Posgrado en Göttingen sobre “Expertenkulturen” para intentar profundizar en el conocimiento de la repoblación a través de un planteamiento de la sociología del saber. El artículo llama la atención sobre la proyección discursiva y la puesta en escena performativa del papel de los expertos musulmanes. El texto se basa en un trabajo escrito del máster que fue terminado en el semestre de invierno de 2025/26.

Zusammenfassung: Der Beitrag untersucht exemplarisch anhand der Fälle Sevilla und Écija sowie unter Berücksichtigung umliegender Ortschaften die Konsultation von Experten bei den repartimientos in Andalusien in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Dabei wird der methodologische Ansatz des Göttinger Graduiertenkollegs zu „Expertenkulturen“ angewandt, um einen möglichen Erkenntnisgewinn einer wissenssoziologischen Herangehensweise an das Phänomen der repoblación zu erproben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der kommunikativen Markierung und performativen Inszenierung der Expertenrolle muslimischer Wissensträger. Der Text basiert auf einer Masterseminararbeit, die im Wintersemester 2025/26 abgeschlossen wurde.

Als die kastilischen Eroberer am 23. November 1248, dem Geburtstag ihres Infanten Alfons, nach langer Belagerung die Hoheit über Sevilla erlangten, näherte sich die militärische Seite ihrer Eroberungen im Süden der Iberischen Halbinsel ihrem vorläufigen Höhepunkt. Das Streben nach tatsächlicher Beherrschung der neuen Gebiete führte zu demographischen und politischen Umwälzungen, die unter dem Stichwort der repoblación seit Erscheinen der monumentalen Studie Julio González‘1 breit erforscht wurden. Die repartimientos, die Verteilung von Gütern und Liegenschaften in den eingenommenen Gebieten an die Eroberer und christliche Siedler, waren das zentrale Instrument der repoblación. Die Forschung konzentrierte sich zumeist auf die Fragen nach geographischer Herkunft, sozialer Zugehörigkeit und militärischer Funktion der Siedler oder auf die institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Ansiedlung.

Ein engerer Fokus auf die spezifischen Herausforderungen der repartimientos und der zu ihrer Lösung verfolgten Bewältigungsstrategien kann sich auf den wissenssoziologischen Ansatz des bis 2018 von der DFG geförderten Graduiertenkollegs 1507 „Expertenkulturen des 12. bis 18. Jahrhunderts“ stützen, der in der spanischen Mediävistik bisher nicht rezipiert wurde.2 Hierbei wird das Phänomen von Experten als Träger eines spezifischen, problemorientierten Sonderwissens und die Fortschreibung des Gebrauchs solchen Expertenwissens durch dessen institutionelle Verfestigung und soziale Verfügbarmachung aus einer rollentheoretischen Perspektive in den Blick gerückt.3 Bei einer Untersuchung der Personen(gruppen), der kommunikativen Markierung ihrer Expertenrolle und den Rahmenbedingungen und Folgen ihres Handelns fällt die Rolle muslimischer Experten ins Auge, die gewissermaßen als ‚cultural broker‘ bei den repartimientos in Erscheinung treten.4

Auf die Untersuchung historiographischer Quellen wurde nach einer stichprobenartigen Konsultation der Estoria de España verzichtet; ergiebiger sind einerseits die libros de repartimiento, im Wesentlichen Namen- und Güterlisten, in welchen die Ergebnisse der repartimientos festgehalten werden. Aufgrund der Überlieferung bieten sich Sevilla und Écija als Untersuchungsfälle an. Andererseits wurden Urkunden berücksichtigt, in welchen Gebietsstreitigkeiten zwischen den institutionellen Profiteuren der repartimientos geschlichtet wurden – etwa zwischen den städtischen concejos, der Kirche von Córdoba und den Orden von Santiago und Calatrava.5

Wissensakteure in den repartimientos

In Sevilla und Écija folgten die repartimientos dem üblichen Muster: In beiden Fällen wurden Kommissionen von partidores eingerichtet, welche sich aus Vertretern unterschiedlicher Personengruppen zusammensetzten. Geistliche, militärische Funktionäre und Adlige wirkten als politisch verantwortliche Delegierte, die im Auftrag des Königs (und im Falle Écijas auch der Königin) handelten. In Sevilla entstammten die fünf partidores überwiegend den höchsten Rängen der Reichselite. Demgegenüber wirkten auf technischer Ebene – in Sevilla durch subsidiäre Kommissionen in den collaciones (Viertel bzw. Pfarrbezirke) repräsentiert – Schreiber und Amtsträger, die für die Informationsverarbeitung zuständig waren. Oftmals wurden die partidores von Experten unterstützt, die nicht formell in die Kommissionen berufen worden waren und technisches Wissen bereitstellten – etwa für die Erfassung der Güter und die Abgrenzung der Bezirke.

In vielen Fällen wurde versucht, die räumliche Struktur der Ortschaften aus islamischer Zeit (en tiempo de moros) zu erhalten. Daher wurden vielfach explizit ortsansässige muslimische Notabeln mit der Abgrenzung der términos beauftragt, die auf Wissensbestände zurückgreifen konnten, welche den christlichen partidores nicht zur Verfügung standen. Diese Muslime waren jedoch nicht Teil der Kommissionen der partidores.

Die Wahrnehmung muslimischer Expertise

Die religiöse Identität der Experten findet im Falle der Muslime ihren Niederschlag in der kommunikativen Markierung ihrer Expertenrolle. Werden die Mitglieder der Kommissionen zumeist als partidores bezeichnet, die situativ konsultierten Experten ebenfalls als partidores, medidores etc., so weicht die Bezeichnung der muslimischen Wissensträger von dieser Praxis ab. Im libro de repartimiento von Écija und in mehreren Urkunden finden sich Bezeichnungen wie moros viejos e sabidores del término, moros omnes bonos sabidores destas comarcas en derredor, moros buenos e leales de tierra del rey de Granada oder moros que sopiessen los términos destos logares commo fueron en tiempo de moros.6

Die Zuschreibung von Expertise aus der Fremdsicht rekurriert somit häufig auf das Wortfeld saber/sabidor, welches ausschließlich in Zusammenhang mit der Kenntnis der politischen (término) oder geographischen (tierra) Topographie auftritt. Anders als der etymologische Zusammenhang mit lat. sapientia suggeriert, wird damit auf keine holistische Wissenskonzeption (‚Weisheit‘) verwiesen, sondern auf ein situativ bestimmtes Sonderwissen, dessen die christlichen concejos, Orden, Kirchen, Könige und partidores ermangelten.7 Die Bezeichnung viejo sowie omnes bonos oder buenos scheint auf das arabische Wort šaiḫ hinzudeuten, welches von den christlichen Schreibern der Urkunden wohl mit den kastilischen hombres buenos gleichgesetzt wurde. Zumeist entstammten die muslimischen Experten also den Eliten ihrer Gemeinden (aljamas).8

Schrift- und Sprachexperten

Im Prozess von der Erteilung des Auftrages zum repartimiento bis zur Ratifizierung der Ergebnisse durch den König erfolgten mehrere Stadien schriftlicher Fixierung, die ohne spezifische Kenntnisse im Bereich der Schrift und des Kanzleiwesens undenkbar waren. Neben den königlichen Schreibern und Notaren traten auch die beteiligten Muslime als Schriftexperten in Erscheinung.  In zwei Urkunden vom 22. Februar 1263 werden diese intermediären Arbeitsschritte schriftlicher Fixierung explizit in inserierten Urkundenabschnitten genannt, wobei in einem Fall die Abfassung von cartas in arabischer Sprache betont wird, die dem König in volkssprachlicher Übersetzung (en ladino) vorgelegt wurden.9 In beiden Fällen wurden Muslime, die auf Anfrage der kastilischen Seite von Muḥammad I. aus Granada gesandt wurden, unter Eid über Grenzverläufe befragt. Der explizite Verweis auf die Kenntnis der arabischen Sprache dürfte vor diesem Hintergrund als Legitimation ihres Expertenhandelns seitens der muslimischen Notabeln zu sehen sein, denn ohne ihre Intermediation wäre kein Transfer des Wissens der Muslime aus Granada denkbar.

Performative Inszenierung der Expertenrolle

Eine im Zusammenhang mit den involvierten Muslimen oft in den Quellen betonte Praxis der performativen Inszenierung von Expertise ist die Aussage unter Eid. Die bereits genannten Muslime aus Granada wurden wie sachverständige Zeugen vor Gericht behandelt, was ein Abgleich des Urkundentextes mit den einschlägigen Passagen der Siete Partidas veranschaulicht.10 Hier diente die Vereidigung der Herstellung von Evidenz und Rechtssicherheit.

Vereidigt wurden darüber hinaus auch die königlichen Schreiber und moros viejos e sabidores, die als Experten konsultiert wurden. Bei den muslimischen Experten findet sich in den Quellen allerdings eine auffällige Häufung des Verweises auf ihre Vereidigung;11 womöglich waren die partidores im Falle muslimischer Expertise besonders erpicht darauf, deren Glaubwürdigkeit vor möglicher Kritik oder Expertenskepsis zu schützen? Im Akt der Vereidigung selbst erfolgte eine scharfe Abgrenzung der christlichen Autoritäten als Abnehmer des Eides von der muslimischen Glaubenslehre, wie eine Urkunde Alfons‘ X. für den concejo von Úbeda aus dem Jahr 1260 bezeugt, in welcher dargelegt wird, auf welche Weise Christen, Juden und Muslime einen Eid zu schwören haben.12 Im performativen Akt der Vereidigung findet sich folglich einerseits ein Moment der Abgrenzung, das auf religiös-dogmatischer Ebene angelegt ist, doch stellt der Akt selbst, andererseits, einen Inklusionsmechanismus dar, mit welchem muslimisch vermitteltes Wissen in spezifischen Kommunikationssituationen beglaubigt und somit nutzbar gemacht wird.

Fazit

In der Mitte des 13. Jahrhunderts war bereits der Stand einer eingespielten Routine im Vorgehen bei den repartimientos erreicht. Dies zeigt sich zuvörderst hinsichtlich des konsultierten Personalbestandes und der Verfahren der Wissenserhebung. Der Rekurs auf muslimisch vermitteltes Wissen gehörte im Falle Andalusiens ebenfalls zum üblichen Verfahren. Die grundlegende Bedeutung von Sprache und Schriftlichkeit, in Sonderheit des Arabischen, für den Wissenstransfer in einer Region, die sich im 13. Jahrhundert in einem tiefen Umbruch befand, wurde durchaus erkannt. Das betraf nicht allein den Bereich gelehrten Wissens, auf den die Gründung der Estudios e Escuelas Generales de latín e de arábigo in Sevilla 1254 durch Alfons X. verweist, sondern auch Bereiche von praktischer, alltäglicher Relevanz: Dies wurde am Beispiel der repartimientos und der Beilegung von Grenzkonflikten gezeigt, die als typische Erscheinungen des iberischen Grenzraumes verstanden werden können, der auch in sprachlicher Hinsicht ein Kontaktraum war.13

Der Befund deutet trotz aller zeitgenössisch umlaufender Religionspolemik auf einen pragmatischen Umgang mit muslimischen Wissensträgern und über das Arabische vermitteltem Wissen hin, der für die Regierungszeit Alfons‘ X. durchaus charakteristisch war.14


Photo: Fassade der Kathedralmoschee von Cordoba, in: Wikimedia Commons, URL: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CordobaMezquita01.jpg] (29.07.2026).

  1. González, Julio, Repartimiento de Sevilla. Estudio y edición. II vols. (Consejo Superior de Investigaciones Científicas. Escuela de Estudios Medievales, Textos 15), Madrid 1951. Die Erforschung der andalusischen repoblación ist darüber hinaus eng mit dem wissenschaftlichen Œuvre Manuel González Jiménez‘ verknüpft. []
  2. Hier ist allein ein Beitrag zu nennen: Martínez Sopena, Pascual, Poblar y repartir en el siglo XIII. Expertos y experimentación en la corona de Castilla, in: Laurent Feller/Ana Rodríguez (eds.), Expertise et valeur des choses au Moyen Âge. Vol. II: Savoirs, écritures, pratiques (Collection de la casa de Velázquez 156), Madrid 2016, 57–84. Die vorliegende Untersuchung profitiert vom genannten Beitrag, der eine ähnliche Richtung einschlägt und nach Experten fragt, dabei allerdings einen weiten Rahmen ausfüllt und nicht auf der hier verfolgten methodologischen Richtung basiert und somit zu anderen Ergebnissen kommt. []
  3. Vgl. stellvertretend Rexroth, Frank, Systemvertrauen und Expertenskepsis. Die Utopie vom maßgeschneiderten Wissen in den Kulturen des 12. bis 16. Jahrhunderts, in: id./Björn Reich/Matthias Roick (eds.), Wissen, maßgeschneidert. Experten und Expertenkulturen im Europa der Vormoderne (HZ. Beihefte NF 57), München 2012, 12–44; id./Schröder-Stapper, Teresa, Woran man Experten erkennt. Einführende Überlegungen zur performativen Dimension von Sonderwissen während der Vormoderne, in: id. (eds.), Experten, Wissen, Symbole. Performanz und Medialität vormoderner Wissenskulturen (HZ. Beihefte NF 71), München 2018, 7–26. []
  4. Vgl. zum Konzept des ‚cultural broker‘ von der Höh, Marc/Jaspert, Nikolas/Oesterle, Jenny Rahel, Courts, Brokers and Brokerage in the Medieval Mediterranean, in: id. (eds.), Cultural Brokers at Mediterranean Courts in the Middle Ages (Mittelmeerstudien 1), Paderborn 2013, 9–31. []
  5. Die Texte der libros de repartimiento liegen ediert vor. Sevilla: González, Repartimiento de Sevilla. Vol. II (wie Anm. 1); Écija: Sanz Fuentes, María Josefa, Repartimiento de Écija, in: Historia, instituciones, documentos 3 (1976), 533–551, sowie González Jiménez, Manuel, Repoblación y repartimiento de Écija, in: id., La repoblación del reino de Sevilla en el siglo XIII (Biblioteca de Bolsillo. Divulgativa Collectanea Limitanea 60), Granada 2008, 13–56. Hier zit. nach Sanz Fuentes. Die Urkunden sind ediert in Diplomatario andaluz de Alfonso X, ed. Manuel González Jiménez, Sevilla 1991. []
  6. In der Reihenfolge der Zitate: Ed. Sanz Fuentes (wie Anm. 5), 543; Diplomatario andaluz (wie Anm. 5), Nr. 252; 188; 260f. []
  7. Vgl. zu holistischen Wissenskonzepten in diesem Zusammenhang Rexroth, Systemvertrauen (wie Anm. 3), 23f. []
  8. Auf die Übersetzung von šaiḫ mit viejo hat bereits Martínez Sopena (wie Anm. 2) verwiesen (dort Anm. 46). Der Terminus šaiḫ ist polysem und durchaus mit dem ebenfalls vagen hombres buenos in Beziehung zu setzen, vgl. zu letzteren González Jiménez, Manuel, Los municipios andaluces en la Baja Edad Media, in: Archivo hispalense 69/210 (1986), 63–83, hier 72. []
  9. Vgl. Diplomatario andaluz (wie Anm. 5), Nr. 260f. []
  10. Vgl. Diplomatario andaluz (wie Anm. 5), Nr. 261 mit Partida III, ed. Gregorio López, Salamanca 1555, XI; XVI, 23–27. []
  11. Im libro de repartimiento von Écija tauchen allein in der Passage, in welcher die Abgrenzung der aldeas geschildert wird, neun Varianten der Formulierung que estos moros dixeron por la jura que juraron auf, vgl. ed. Sanz Fuentes (wie Anm. 5), 543f. []
  12. Vgl. Diplomatario andaluz (wie Anm. 5), Nr. 225. Der Wortlaut der Urkunde ist beinahe identisch mit den Gesetzen der Siete Partidas, vgl. Partida III (wie Anm. 10), XI, 19–21. []
  13. Vgl. Jaspert, Nikolas, Grenzen und Grenzräume im Mittelalter. Forschungen, Konzepte und Begriffe, in: id./Klaus Herbers (eds.), Grenzräume und Grenzüberschreitungen im Vergleich. Der Osten und der Westen des mittelalterlichen Lateineuropa (Europa im Mittelalter. Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik 7), Berlin 2007, 43–70, bes. 48 und 56–62. []
  14. Am 13. Dezember 1263 verfügte Alfons X., dass geeignete muslimische Personengruppen an jeweils zwei Tagen im Jahr zu Arbeiten für den materiellen Erhalt der Moschee von Córdoba heranzuziehen seien, vgl. Diplomatario andaluz (wie Anm. 5), Nr. 273. Barbara Schlieben hat aufgezeigt, wie die Rezeption von Wissensbeständen, die über muslimisch-arabische Vermittler zugänglich gemacht wurden, spezifische Rechtfertigungsstrategien auslösen konnte, vgl. Schlieben, Barbara, Verspielte Macht? Politik und Wissen am Hof Alfons‘ X. (1252–1284) (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel 32), Berlin 2009, 149–151. Dennoch bestanden in der Praxis oft keine Hemmungen bei der Nutzung solcher Wissensbestände; so rezipierte etwa die General Estoria Quellen islamisch-arabischer Provenienz, um nur ein Beispiel herauszugreifen, vgl. Fernández-Ordoñez, Inés, Las Estorias de Alfonso el Sabio (Biblioteca española de lingüística y filología 5), Madrid 1992, 173–202. John Tolan deutet die Rezeption ‚arabischen‘ und ‚islamischen‘ Wissens am alfonsinischen Hof als „Hispanisierung“ und „Christianisierung“ der Wissensbestände, vgl. Tolan, John Victor, Saracens. Islam in the Medieval European Imagination, New York 2002, 192f. []

Preaching against the powerful ? The sermones curiales of Juan Gil de Zamora, OFM (c. 1251 – c. 1306)

Iason Thiele, University of Heidelberg / École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris)

Zusammenfassung: Dieser Artikel stellt eine Forschungsarbeit zu den Kurialpredigten des leonesischen Franziskaners Juan Gil de Zamora vor, womit es sich in das neu entdeckte Interesse der Forschung für homiletische Quellen einreiht. Die Untersuchung stellt die Annahme infrage, dass diese Modellpredigten ein Medium zur Kommunikation von Kritik gegenüber realen Umständen gewesen seien, und geht der Frage nach, in welchem Umfang Topoi aus anderen Herrscherdidaxen und Fürstenspiegeln den Inhalt bestimmen. Somit schlägt das Projekt einen methodischen Ansatz zur Arbeit mit einer Quellengattung zwischen normativem Charakter und scholastischer Prägung vor.

Abstract : As part of a renewed interest in the use of homiletic sources, this article presents a project on the curial sermons of Leonese Franciscan Juan Gil de Zamora. It questions the assumption that these model sermons were a vehicle for expressing criticism concerning real conditions, and examines the extent of use of topoi also occurring in other ruler’s didacticisms and mirrors for princes. Eventually, the project offers a methodological approach to a source genre which alternated between its normative function and a status as scholastic exercise.

My work deals with Franciscan preaching in Castile and León in the second half of the 13th century.1 I focus on moralizing and ethical precepts in a collection of model sermons by Juan Gil de Zamora (c. 1251–c. 1306), the Liber sermonum, probably written between 1279 and 1289. As a maître ès arts who had studied in Paris, Juan Gil was part of the intellectual elite of the Friars Minor in Spain. He also played an important role both within the provincial structure of Santiago, as Custodial and later Provincial Minister, and at the courts of the Castilian kings Alfonso X and Sancho IV. His work includes treatises on history and natural philosophy, as well as on grammar, hagiography and music. Among his most notable writings are De preconiis Hispaniae, a historical mirror for princes for the Infante Sancho IV, his Dictaminis epithalamium, a handbook for writing letters and official documents, and a medical treatise titled Liber contra uenena et animalia uenenosa. Elements of a didactic treatise for rulers can also be found in his Liber naturalis, the Dictaminis epithalamium, and a Breuiloqium de uitiis et uirtutibus. In quite a few cases, we encounter the reuse of ideas in slightly modified morphology. For instance, the Liber sermonum contains passages similar to those in De preconiis Hispaniae. Clarifying the chronological relationship between the two works is one of my project’s purposes.2

Within Juan Gil’s model sermons, I have chosen the category of sermones curiales to highlight the moralizations addressed to secular power. Only two of these sermons have survived, both of which deal with jurisdiction.3 My work explores the question of whether these sermons represent a statement directed at the high nobility of Castile and León and refer to perceived abuses at various levels of jurisdiction, or whether we are instead dealing with the fulfillment of topos regulations of a homiletic ruler’s didacticism. This is intended to test Adrienne Hamy-Dupont’s hypothesis, which understands these sermons as a disapproval of real circumstances.4

In the first curial sermon,5 which was edited by A. Hamy-Dupont, Juan Gil presents an ideal picture of a judge. This is largely done using antitheses. Thus, princes are denounced as blasphemers, sinners and apostates. The second curial sermon,6 which I am editing, evokes a present full of abuses. Judges are described as ‘effeminati’; luxury and corruption are presented as widespread phenomena in the judiciary. Not only the jurisdiction of the high nobility, but also that of the cities is criticized, although it seems that it focuses more on the princes’ selection of suitable judges than on the princes’ behaviour itself. Some elements of both sermons can also be found in Juan Gil’s De preconiis Hispaniae and Dictaminis epithalamium. Not least, the strict application of scholastic methods in the argumentation raises the question of the extent to which this is merely a matter of satisfying the requirements of a genre.

To examine this, I use a two-part method. First, I compare the circumstances described by Juan Gil with the actual events at various levels of jurisdiction during the reigns of Alfonso X and Sancho IV. This could also further refine the dating. Second, I compare other curial sermons and ruler’s didacticisms to identify recurring topoi that are an integral part of the genre. Examples include the sermons of Guibert de Tournais and parts of the Siete Partidas and Castigos del rey don Sancho IV. It must also be taken into account that the two assumptions are not necessarily mutually exclusive. Thus, this study of Juan Gil de Zamora’s curial sermons highlights the challenge of working with a type of source whose original normative function increasingly gave way to the value of a scholastic exercise.


Photo: British Library, Stowe, MS 17, f. 181r.

  1. This article presents my master’s thesis’ project, which I am writing at the University of Heidelberg and EHESS Paris under the supervision of Professors Nikolas Jaspert and Sylvain Piron. []
  2. Important biographical assumptions can be found in : Manuel de CASTRO Y CASTRO (ed.), De preconiis Hispanie, Madrid : Universidad de Madrid, 1955 ; Olga Soledad BOHDZIEWIECZ (ed.), Iohannes Aegidii Zamorensis. Una contribución al estudio de la prosa latina en Castilla del siglo XIII. La edición crítica y estudio del Liber Mariae de Juan Gil de Zamora, Buenos Aires : Universidad de Buenos Aires, 2014 ; Adrienne HAMY-DUPONT, Système encyclopédique et prédication mariale chez Juan Gil de Zamora (OFM, + c. 1306). Les sermones virginales : édition, traduction et commentaire, PhD diss., Université Paris Cité and Paris VII Diderot, 2017. A complete bibliography and overview of Juan Gil’s works shall not be provided here due to space constraints. Please refer to the monographs by O. Bohdziewiecz and A. Hamy-Dupont. []
  3. These two curial sermons are contained in MS Assisi, Biblioteca del Sacro Convento di San Francesco, Fondo antico della Biblioteca Comunale, 414, ff. 166r-172r, and MS Cieszyn, Ksiąẓnica Cieszyńska, DD-V-7, ff. 116v-121v. []
  4. Adrienne HAMY-DUPONT, « ‘A Glance at the Music of Time’ : un sermon Pro curiis magnatorum inédit de Juan Gil de Zamora (OFM, c. 1290) », in : F. J. Hernández et al. (eds.), Medieval Studies in Honor of Peter Linehan, Florence : Sismel / Edizioni del Galluzzo, 2018, p. 225–241. []
  5. MS Assisi, 414, f. 166r-170r ; MS Cieszyn, DD-V-7, f. 116v-119v. MS Assisi, 414, f. 166r names it : « Pro curiis magnatorum, primo de iustitia ». []
  6. MS Assisi, 414, f. 170r-172v ; MS Cieszyn, DD-V-7, f. 119v-121v. MS Assisi, 414, f. 170r titles it : « Ad principis et rectores orbis terre ». []

„Ca en_tu consejo non ha fall(l)a“: Calila e Dimna, Alfons der Weise und die Fürstenspiegel

Ulrike Becker, Universität Bonn

Abstract: Why did a crown prince, later known as Alfonso the Wise, “el sabio” (1221-1284), have a collection of stories about a scheming jackal and a lion king translated from Arabic into Castilian as the very first narrative prose text ever (Calila e Dimna, 12511)? Why does he come return to this in his General Estoria? Does he join the ranks of Chosrau-Anushirvan (6th century) and al-Ma’mūn (8-9th century) or al-Mansūr (8th century), each of whom was instrumental in the translatio and went down in history as a wise great ruler and promoter of science and education? Or does the fascination of the fables for Alfonso lie in the fact that both the ideal ruler and pragmatic acting are discussed? Add to this Alexander the Great, Aristotle and “sabios antiguos” as references for power politics of the mirror of princes, it is worthwile to systematically examine the narrative forms of representation of power and domination, and specifically the question to which extent the reception of mirrors for princes by means of translations at the time of Alfonso X contributed to the formation, illustration and dissemination of a specific, potentially innovative understanding of pre-modern power and domination.

Zusammenfassung: Wieso lässt ein Kronprinz, später Alfons der Weise, „el sabio“, genannt (1221–1284), einen Erzählband um einen intriganten Schakal und einen Löwenkönig als ersten narrativen Prosatext überhaupt aus dem Arabischen ins Kastilische übersetzen (Calila e Dimna, 1251)? Wieso kommt er darauf in seiner General Estoria zurück?2 Reiht er sich ein bei Chosrau-Anushirvan (6. Jh.) und al-Ma’mūn (8./9. Jh.) oder al-Mansūr (8. Jh.), jeweils maßgeblich für die Translatio dieser Fabelsammlung und als weise Großherrscher, Förderer von Wissenschaft und Bildung in die Geschichte eingegangen? Oder liegt die Faszination für die Fabelsammlung für den König von Kastilien darin, dass sowohl der ideale Herrscher als auch pragmatisches Agieren erörtert werden? Kommen zu diesem Fragenkomplex noch Alexander der Große, Aristoteles sowie „sabios antiguos“ als machtpolitische Referenzen des Fürstenspiegels hinzu, ist es lohnenswert, die narrativen Darstellungsformen von Macht und Herrschaft systematisch zu untersuchen, und zwar konkret im Hinblick auf die Frage, inwieweit die Rezeption von „orientalischen“3 Fürstenspiegeln in Form von Übersetzungen zur Zeit Alfons´ X. zur Herausbildung, Illustration und Verbreitung eines spezifischen, potenziell innovativen Verständnisses von vormoderner Macht und Herrschaft beigetragen hat.

Diesem Fragenkomplex widmet sich das Buchprojekt (Habilitationsschrift) „Calila e Dimna und Alfons der Weise: Fürstenspiegel, Weisheitsliteratur und alfonsinische Macht- und Herrschaftsstrukturen in transkultureller Perspektive“, entstanden im vormaligen SFB 1167 „Macht und Herrschaft. Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ der Universität Bonn und jetzt im dortigen Zentrum für vormoderne Ordnungen und ihre Kommunikationsformen beheimatet. Maßgeblich für das leitende Erkenntnisinteresse des Vorhabens sind die nachfolgend skizzierten Forschungsachsen.

Alfons X.: seine (politischen) Ambitionen und sein Wirken

Über Calila e Dimna hinaus beauftragte König Alfons X. zahlreiche Übersetzungen wissenschaftlicher Werke und Traktate aus dem Arabischen ins Kastilische, etwa über Astronomie, Lapidarien und Spiele, insbesondere das Schachspiel. Die Wahl des Kastilischen etablierte und erweiterte sowohl dessen semantisches Feld als auch sein identitätsstiftendes Potenzial als Nationalsprache: ein Bestreben, das sich auch in den Chroniken und Gesetzeswerken zeigt, an deren Verfassung Alfons als Autor in Zusammenarbeit mit seinem Skriptorium beteiligt war. Von besonderem Interesse sind die Siete Partidas, ein siebenbändiges Gesetzeswerk, in dem Alfons seine Vorstellungen einer beispielhaften Monarchie festschreibt, aber auch die Estoria de España macht seine Ideale offenkundig. Politisch strebte er auf internationaler Ebene die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches an (“fecho del imperio”), ein vergebliches Unterfangen, das seine Herrschaft in tiefgreifende Krisen führte.4

Alfonso X y su corte, in: Libro de los Juegos, URL: [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Libro_de_los_Juegos%2C_Alfonso_X_y_su_corte.jpg?uselang=de] (02.12.2024).

Der Textkanon: eine kurze Kontextualisierung

Zentraler Text des vorliegenden Projekts ist Calila e Dimna, Bestandteil der kastilischen Weisheitsliteratur, der kanonische Erzählwerke wie den Conde Lucanor von Don Juan Manuel, aber auch Chaucers Canterbury Tales und Boccaccios Decameron inspirierte. Darüber hinaus und vor allem ist Calila e Dimna als eminent politischer Text und Teil der transkulturellen Tradition von Fürstenspiegeln zu kategorisieren: So kompilierte Ibn al‑Muqaffaʽ in seiner arabischen Version Kalīla wa‑Dimna (nach 750 n. Chr.) die mittelpersische Fassung, die ihrerseits auf Texten indischer Provenienz wie u. a.dem Panchatantra (4. Jh.) beruhte. Der Kontext eben dieser für die kastilische Übersetzung maßgeblichen arabischen Vorlage des Ibn al‑Muqaffaʽ ist dadurch gekennzeichnet, dass sich arabische Schriften bereits seit der Machtübernahme durch das abbasidische Kalifat im Jahr 750 mit dem ʽbody politicʼ befassen, d.h. mit dem politischen Apparat und den Themen der obersten Staatsgewalt sowie mit der Frage, wie diese institutionell erreicht oder personell ausgeübt werden sollte, und zwar durch eine politische Philosophie, die auf den ersten Übersetzungen antiker Lehren beruht.5 Als Fürstenspiegel mit der Funktion, Staatskunst zu lehren, wandert der Text „of eastern inspiration“6 als Teil des „Iberischen Kontinuums“7 so von Ost nach West und geht mit diesem prozessualen Verständnis auch in die kastilische Version ein. Sowohl hinsichtlich dieses transkulturellen Weges, der Übersetzungszeiträume, des Verständnisses als auch des Genre sind Poridat de las poridades8, Libro de los buenos proverbios9 und Bocados de oro10 mit Calila vergleichbar. Als Fürstenspiegel arabischer Herkunft in kastilischer Sprache werden sie ebenfalls zur Analyse der narrativen Darstellungsformen von Macht und Herrschaft hinzugezogen. Der pseudo-aristotelische Traktat Poridat de las poridades inszeniert beispielsweise eine idealtypische Lehrsituation in Form eines Briefwechsels zwischen Aristoteles und Alexander dem Großen während seiner Eroberungszüge. Als Referenztexte der narrativen Darstellungsformen von Macht und Herrschaft werden kontextbezogen normative, pragmatische und historiografische Schriften Alfons´ X. einbezogen – insbesondere die Estoria de España (in der ins 13. Jh. datierten E1-Version oder „rama regia“ nach AengusWard11) sowie die Siete Partidas, die nach Fernández-Ordóñez als Kodex im Interesse herrschaftlicher Kontinuität zu verstehen sind: “código [que] sirva de texto de referencia a enseñanza para los príncipes que le sucedan en la corona”12.

Der Weg zum Ziel: Methodenvielfalt und Prozedere

Methodologisch ist die Zugriffsweise des vorliegenden Projekts literatur- und kulturwissenschaftlich ausgerichtet und in der Kulturgeschichte des Politischen angesiedelt.13 Aufgrund des transkulturellen Charakters des Analyseansatzes ergeben sich in Calila e Dimna thematische und konzeptionelle Bezüge zum Verständnis von Macht und Herrschaft unter Alfons X. aus dem Verhältnis einzelner narrativer Sequenzen und semantischer Strukturen zu ihren jeweiligen historisch-gesellschaftlichen Kontexten. Vergleichende Ansätze (sowohl historisch als auch literarisch) sind dem transkulturellen Thema inhärent. „Transkulturell“ ist die Perspektive in mehrfacher Hinsicht: textintern, da Vorläufertexte wie Palimpseste integriert sind, textextern aufgrund der Überlieferungsgeschichte sowie methodisch insofern, als Transkulturalität nicht nur als analytische Kategorie, sondern, im Sinne von Margit Mersch, als „Anregung, ihre Untersuchungsobjekte neu zu konstituieren, dynamische Beziehungsgeflechte und prozessuale Veränderungen in den Blick zu nehmen“ zu verstehen ist.14

Stand der Dinge

Aus der vergleichenden Textanalyse der Fürstenspiegel entsteht das Bild einer narrativ inszenierten idealen Herrschaft und der diese prägenden Charakteristika, oftmals auch ausgehend von der Kritik defizitärer Zustände – ein Bild, das sowohl die Person des Herrschers, den Hof sowie spezifische Personengruppen, z.B. die der Leistungselite, der Berater oder der Frauen umfasst. Dazu gesellen sich konkrete politische Konzepte etwa zur Entscheidungsfindung, zur Außenpolitik sowie zum Erhalt von Herrschaft oder zur Wahrung von Ordnung. All diese Kategorien erweisen sich inhaltlich als geeignet für eine kritische In-Bezug-Setzung und Relationierung zur Herrschaftspraxis von Alfons X. sowie zu seiner Vorstellung von Monarchie. Insbesondere in den Siete Partidas wie auch in der Estoria de España finden sich überraschend vielfältige Anknüpfungspunkte struktureller und inhaltlicher Art gerade im Hinblick auf letztere Aspekte. Konzentriert man den Blick auf Zeiten des Wandels und des speziellen Bedarfs an Herrschaftslegitimation sowohl im historischen, transkulturellen Umfeld als auch insbesondere im Kontext der Vormoderne, spielen grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Personalität und Transpersonalität von Macht und Herrschaft eine zentrale Rolle. Bei Alfons X. kristallisieren sich zudem Weisheit und die politische Macht des Wissens in Verbindung mit der Bedeutung des Mediums Buch als elementare Analyse-Achsen heraus. Dabei wird deutlich, dass die Kulturpolitik von Alfons mit seiner politischen Kultur Hand in Hand geht. Offenkundig wird auch, wie sich Alfons bezüglich der Relation von translatio studii und translatio imperii in eine Tradition einfügt, deren spezifische Ausformungen in Bezug auf seine Ideale und politischen Intentionen hinsichtlich des transkulturellen Kontextes die abschließenden Untersuchungen abbilden werden.


Photo: Burzuyeh is Summoned by Nushirvan on his Return from India, in: Kalila wa Dimna, URL:[https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%22Burzuyeh_is_Summoned_by_Nushirvan_on_his_Return_from_India%22,_Folio_from_a_Kalila_wa_Dimna_MET_sf1981-373-8b.jpg] (02.12.2024).

  1. El libro de Calila e Dimna (1251). Edición nueva de los dos manuscritos castellanos, ed. Hans‑Jörg Döhla, Zaragoza 2009, Manuskript A, 483, (28b). []
  2. General Estoria. Primera parte, ed. Pedro Sánchez Prieto Borjas, dspace.uah.es 2006, online: https://www.academia.edu/94930354/General_estoria_Primera_parte, [24.10.2024], Libro 7, 278 f. []
  3. „Orientalisch“ im Verständnis einer „eastern inspiration“ und Herkunft (cf. Jean-PhilippeGenet, „Conclusion: Mirrors for Princes and the Development of Reflections on the State“, in: Noëlle-Laetitia Perret, Stéphane Péquignot (eds.), A Critical Companion to the ‘Mirrors for Princes’ Literature, Leiden/Boston 2023, 514-542, 526. []
  4. Barbara Schlieben, Verspielte Macht. Politik und Wissen am Hofe Alfons´ X. (1252–1284), Berlin 2009, 275 f. []
  5. Bernard Lewis, Die politische Sprache des Islam, Berlin 1991, 50, 52. []
  6. Jean-PhilippeGenet, „ Conclusion: Mirrors for Princes and the Development of Reflections on the State“, in: Noëlle-Laetitia Perret, Stéphane Péquignot (eds.), A Critical Companion to the ‘Mirrors for Princes’ Literature, Leiden/Boston 2023, 514-542, 526. []
  7. Calila e Dimna ist Teil des Iberischen Kontinuums, wie es Beatrice Gründler in ihrem durch den Leibniz-Preis finanzierten Forschungsprojekt zu Kalīla wa‑Dimna zur Bezeichnung der translingualen Übertragungslinie nennt, die die arabische, kastilische, lateinische und hebräische Form umfasst. []
  8. Secreto de los secretos; Poridat de las poridades: versiones castellanas del Pseudo-Aristóteles Secretum Secretorum, ed. Hugo O. Bizzarri, Valencia 2010. []
  9. Libro de los buenos proverbios, ed. Christy Bandak, Zaragoza 2007. []
  10. Bocados de oro, ed. Mechthild Crombach, Bonn 1971. []
  11. Estoria de Espanna Digital v.1.1, ed. Aengus Ward, Birmingham 2020, https://blog.bham.ac.uk/estoriadigital/. []
  12. Inés Fernández-Ordoñez, “El taller historiográfico. La Estoria de España y la General estoria en el marco de las obas promovidas por Alfonso el Sabio”, in: Scriptorium alfonsí , de los libros de astrología a las “Cantigas de Santa María”, coord. Ana Domínguez Rodríguez, Jesús Montoya Martínez, Madrid, 1999, 105–126, online https://www.academia.edu/37778004/_1999_El_taller_historiogr%C3%A1fico_alfons%C3%AD_La_Estoria_de_Espa%C3%B1a_y_la_General_estoria_en_el_marco_de_las_obras_promovidas_por_Alfonso_el_Sabio_en_J_Montoya_y_A_Rodr%C3%ADguez_coords_El_Scriptorium_alfons%C3%AD_de_los_Libros_de_Astrolog%C3%ADa_a_las_Cantigas_de_Santa_Mar%C3%ADa_Madrid_FUC_p_105_126, 1-18, 5. []
  13. Wolfram Drews, Die Karolinger und die Abbasiden von Bagdad. Legitimationsstrategien frühmittelalterlicher Herrschaftsdynastien im transkulturellen Vergleich, Berlin 2009, 22 f. []
  14. Margit Mersch, Transkulturelle Verflechtungen. Mediävistische Perspektiven (kollaborativ geschrieben mit Georg Christ, Saskia Dönitz, Şevket Küçükhüseyin, Margit Mersch, Britta Müller-Schauenburg, Ulrike Ritzerfeld, Christian Vogel, Julia Zimmermann), Göttingen 2016, Open access, DOI: https://doi.org/10.17875/gup2016-981, 77. []

Philology and Jurisprudence? A new perspective for the study of the deprivation of freedom in the late medieval Mediterranean

Ana B. Cano-Carrillo, Universidad de Granada

Abstract: Since its beginnings in the 20th century, the research on slaves and captives has increased in recent years almost exponentially. Today it is one of the most studied and debated topics from different perspectives, in different time periods and geographical spaces because the conditions that slaves and captives suffer could vary depending on territory and time. However, they are mainly studied in a general way, even assimilating the two terms and concepts. Fortunately, the difference between the two is becoming more and more apparent. However, it is still necessary to establish limits between the two states of deprivation of freedom, which is what this paper will attempt.

The study of slavery and captivity has been prolifically studied for decades, identifying these two realities little by little. However, the study of the deprivation of freedom has always been carried out from economic, political, social or commercial perspectives. In addition, it is focused on specific territories or very broad time frames. What is the problem? Human merchandise was a meeting and divergence point in the Mediterranean where the diversity of cultures, religions and languages is evident. Therefore, we cannot limit these studies to a single geographical area. In the same way that the political or economic and, therefore, commercial situation was not the same at the beginning of the Middle Ages as it was at the end. The jurisprudence and the philology of these terms provide us with objective and specific data from different perspectives and they allow us to know the differences and similarities between captives and slaves.

From a philological perspective, in Arabic the distinction is clear.1 However, this is not the case in Christian territories where the words are ambiguous. In many documents of this period, especially from Aragon, the terms are used interchangeably. In addition, words such as “sarrahí” are found, mentioning the ethnic group of the slave or captive. For this reason, complementing this study with jurisprudence provides us with more clarifying data to be able to establish this differentiation, which is not always clear or easy. For example, Christian juridical sources are clear on where we can find the definition of “captive” and “servant/slave”.2

From a juridical perspective, one of the numerous legal examples where we can see the difference between slave and captive is the way to recover freedom. On one hand, a slave obtains his status in various ways: by being the son of a slave mother, as punishment for a crime, or being part of the loot after a raid or military campaign. On the other hand, captives acquire their status after they lose their freedom being part of the loot. We could say that the captive status is the state prior to the slave. What is the difference? The captive will wait until he is ransomed and, consequently, obtain his freedom; the captive turned into a slave will be sold to serve his buyer and only if he manumits him, the slave will become free. So, the loss of freedom for the captive is relatively temporary, while it is not for the slave, who depends on the will of his master.

And this is where the concepts of manumission and redemption come in. The manumission of a slave refers to a Roman civil law concept while the redemption of captives is related to the salvation of the soul, a religious concept. That is why one of the characteristics that Alfonso X gives in his definition of “captive” and that marks the difference to the “servant/slave”, is “that they fall into prison of men of another religion.” Thus, rescuing a co-religionist is a way to save not only the soul of the unfortunate but also one’s own. In fact, this concept is present in both Christianity and Islam. These constitute only some examples where philology and jurisprudence work together to shed a light on the distinct history of these unfortunates.


Photo: Verkauf christlicher Sklaven in Algier, Amsterdam 1684, in: Wikimedia Commons, URL: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marche_aux_esclaves_d_alger_gravure.jpg] (11.10.2023).

  1. In Arabic we find that for “slave” ‘abd or raqīq are used in the Qur’an. Also, euphemisms denoting “boy, girl” or “servant, maid” are frequent: Fata (fem. Fatat.), or ghulām for slave and jāriya for woman slave, wasif particularly for men (the fem. waṣīfa is also found), and khadim particularly for women. For captives we find different terms depending on the religious confession of the prisoner, thus, appear asīr and sabī. However, they are two terms that present variations in their form, therefore, we can find asīr and its plural usarā’, or asrà and its plural usārà; as well as sabī and its two plurals sabāyā or subī. In other consulted texts, the term asir also appears with the short vowel “i”. []
  2. A priori, Christians also conceive two different realities for the individual deprived of freedom depending on whether they have been held by enemies who profess the same or different religion: prisoner and captive, respectively. In addition, in the 13th century the Siete Partidas of king Alfonso X define the term “captive”: “Captives are called, by right, those who fall into prison of men of another religion. They kill them after they have them imprisoned, […] or they torment them with cruel punishments, or they use them as servants, putting them into labors that they prefer death more than life”. In the last decades of the XIV century, we can also find the term “slave” instead of “servant”. In the 15th century, the term “slave” began to be used, relegating “servant” present in different legal works such as the Partidas of Alfonso X. []