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Zwischen zwei Welten – Eleonore von Portugal

Viktor Gottesmann, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Abstract: My study, conducted as “Wissenschaftliche Arbeit” at the University of Heidelberg and supervised by Prof. Nikolas Jaspert, introduces a new perspective on Eleonor of Portugal, wife of Emperor Frederick III.: the aim is not only to investigate her reginal agency as an empress in general, but also to underline the importance of her Iberian origin in this context. Therefore, both Portuguese and German sources are evenly taken into consideration, as well as recent literature from both spaces: the Iberian Peninsula and Germany/Austria.

Resumo: O meu estudo, que foi realizado como “Wissenschaftliche Arbeit” (tese final) na Universidade de Heidelberg e supervisionado pelo Prof. Nikolas Jaspert, introduz uma nova perspectiva sobre Leonor de Portugal, esposa do Imperador Frederico III.: o objectivo não é apenas investigar a sua agency reginal como imperatriz em geral, mas também sublinhar a importância da sua origem ibérica neste contexto. Por isso, tanto as fontes portuguesas como as alemãs são consideradas igualmente, assim como a literatura recente de ambos os espaços: a Península Ibérica e Alemanha/Áustria.

O Portugalia, bona regio! – Dieser begeisterte Ausruf stammt aus dem Reisebericht Nikolaus Lankmanns von Falkenstein, eines Geistlichen aus dem heutigen Niederösterreich. Lankmann war Mitglied einer jener Brautgesandtschaften, die ein zentrales Element im Vorlauf hochadeliger Hochzeiten waren und der oftmals überregionalen Vernetzung der europäischen Fürstenhäuser des Mittelalters dienten. Eine solche Delegation schickte der römisch-deutsche König Friedrich III. im Jahr 1451 auf die Iberische Halbinsel, damit sie am Hof des portugiesischen Königs Eduard I. die Prokurationshochzeit mit dessen Tochter vollziehen und die zukünftige Gemahlin Friedrichs anschließend von Lissabon in ihre neue Heimat nach Wiener Neustadt begleiten würde. Das Mädchen, das nach der Brautfahrt im Frühjahr 1452 in Rom mit Friedrich vermählt und anschließend an dessen Seite zur Kaiserin gekrönt wurde, ist die 15-jährige Eleonore von Portugal aus dem Haus Avis.

Das „Tagebuch“ Nikolaus Lankmanns ist nicht nur eine kurzweilige Lektüre über die monatelange Reise der Gesandtschaft (vom Reich quer durch Europa bis nach Portugal; von dort zur See nach Rom und weiter zurück ins Alpenland) mit bunten Berichten über die verschiedenen Stationen des Wegs. Es erweist sich auch als eine ergiebige Quelle für eine Untersuchung von Handlungsspielräumen und Handlungsmacht (agency) Eleonores. Denn der Geistliche berichtet auf der Reise immer wieder ganz dezidiert über die (fromme) Portugiesin: etwa wie sie noch am Lissaboner Hof mit dem Erlernen der deutschen Sprache beginnt, wie sie in Ceuta (das 1415 von den Portugiesen erobert worden war) die Freilassung muslimischer Gefangener anordnet oder wie sie auf dem Monte Gargano einen Gottesdienst feiern lässt – in dem der niederösterreichische Geistliche auf ihr Bitten hin selbst die Messe liest.

Meine Untersuchungen von Lankmanns Text sind in eine umfangreichere Studie zur Wirkmacht Eleonores von Portugal eingebettet, die sich zum Ziel setzt, insbesondere die verfügbaren Ego-Dokumente der Kaiserin (etwa Briefe und Urkunden, die von ihr verfasst bzw. ausgestellt wurden) zu beleuchten. Hierbei wird nicht nur analysiert, inwiefern das Konzept der Reginalität für Eleonore fruchtbar gemacht werden kann, sondern gleichzeitig der Frage nachgegangen, welche Rolle ihrer portugiesischen Herkunft in ihrem Wirkungsfeld als Kaiserin zugeschrieben werden kann. Um diesem doppelten Ansatz gerecht zu werden, stützt sich die Arbeit ausdrücklich auf Quellen sowohl aus Portugal wie auch aus dem Reich und bemüht sich, auch die Forschungsliteratur beider Räume gleichermaßen zu berücksichtigen. Denn oftmals werden die Texte (Quellen und Literatur) der „anderen“ kaum oder nicht ausreichend zur Kenntnis genommen.

So lässt sich zeigen, dass die junge Kaiserin nicht nur im Reich als Unterstützerin ihr nahestehender Personen auftritt, wenn sie zum Beispiel Nikolaus Lankmann zu ihrem Hofkaplan bestellt, weil er sich daselbs in Portugall […] und auch hyvbar zu Lande in Unseren Kayserlichen Hoffe […] trevvlich und unverdrossenlich bevveyset end erzaiget hat. Sie verwendet sich ebenso für ihre Landsleute aus Portugal, wie etwa ein Dokument aus dem Nationalarchiv Portugals (Torre do Tombo) belegt: in diesem lässt Eleonore ihrer „Milchschwester“ (colaça) Ines Gomez eine großzügige Summe anlässlich deren anstehender Hochzeit zukommen: Dona Lianor per graça de Deos Rainha dos Romaãos […] nos prometemos e nos obrigamos de dar ẽ casaamento a Ines Gomez nossa colaça […] quatro mil e quinhentos ducados de boõ ouro. Dass Eleonores portugiesische Herkunft ihre reginalen Aktivitäten immer wieder mitbeeinflussten, können weitere in der Arbeit untersuchte Quellen belegen.

Mit gerade einmal 30 Jahren stirbt Eleonore nach kurzer Krankheit in Wiener Neustadt, wo sie auch heute noch begraben liegt. Als Kaiserin hatte sie Friedrich in einem Zeitraum von zwölf Jahren insgesamt sechs Kinder geboren (!). Als bedeutendste Geburt für die weitere Geschichte nicht nur der Habsburgerdynastie, sondern für ganz Europa, sollte sich diejenige Maximilians I. erweisen.

Anfang des 16. Jahrhunderts lässt dieser im ersten Teil seiner teils (auto-) biographischen Schrift, des bekannten Weißkunig, beiden Elternteilen ein literarisches Denkmal setzen. Bemerkenswert hierbei ist, dass der Autor des Werkes – der kaiserliche Sekretär Marx Treitzsaurwein – insbesondere die portugiesische Herkunft Eleonores gezielt in den Blick nimmt und auch die Ereignisse rund um die Brautfahrt von Maximilians Mutter rekonstruiert. Als Vorlage für diesen Teil des Weißkunig diente dem Verfasser vor allem der Reisebericht des Nikolaus Lankmann, dessen Begeisterung für die Länder der Iberischen Halbinsel Treitzsaurwein einfach übernimmt – und übersetzt: O Portugal, o Portugal, wie gar ain guets kunigreich bist du!


Literaturhinweise:

Leonor de Portugal. Imperatriz de Alemanha. Diário de Viagem do Embaixador Nicolau Lanckman de Valckenstein, hg. und übers. von A. Nascimiento (Medievalia 6), Lissabon 1992.

M. da Cruz Coelho, A política matrimonial da dinastia de Avis. Leonor e Frederico III da Alemanha, in: Revista Portuguesa de História 36 (2002/2003), S. 41–70.

A. Th. Hack, Eine Portugiesin in Österreich um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Kultureller Austausch infolge einer kaiserlichen Heirat, in: König und Kanzlist, Kaiser und Papst: Friedrich III. und Enea Silvio Piccolomini in Wiener Neustadt (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 32) hg. von F. Fuchs/P. Heinig/M. Wagendorfer, Wien/Köln/Weimar 2013, S. 181–204.

Ders., Eleonore von Portugal, in: Die Kaiserinnen des Mittelalters, hg. von A. Fößel, Regensburg 2011, S. 306–326.

K. Herbers, El viaje a Portugal de los embajadores de Federico III en el relato de Lanckmann y de otros cronistas, in: Anuario de estudios medievales 32 (2002), S. 183–198.

E. Koller, Die Verheiratung Eleonores von Portugal mit Kaiser Friedrich III. in zeitgenössischen Berichten, in: Portugal – Alemanha – África. Do Imperialismo Colonial ao Imperialismo Político. Actas do IV Encontro Luso-Alemão, hg. von A. Oliveria Marques/A. Optiz/F. Clara, Lissabon 1996, S. 43–56.

A. Martins Costa, O casamento de Leonor e Frederico III (1451-1452) e as relações entre Portugal e o Sacro Império nos finais da Idade Média, in: Medievalista online 24 (2018) [zuletzt abgerufen am 10.01.2019: http://www2.fcsh.unl.pt/iem/medievalista/MEDIEVALISTA24/
costa2405.html].

A. Zierl, Kaiserin Eleonore und ihr Kreis. Eine Biographie (1436–1467), masch. Diss. Wien 1966.


Photo: Kaiserin Eleonore mit ihren Töchtern, Deutsches Gebetbuch Friedrichs III., Wien, 1466/67, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 67 und 68, folio 2r, URL: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/].

Die Rechtsrezeption des „albacea“

Tim Knoche, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Resumen: La tesis doctoral examina el fenómeno del albacea desde una perspectiva de historia de derecho. El término con que el Código Civil designa el ejecutor del testamento tiene sus orígenes en Toledo de la Plena Edad Media. El análisis de la práctica notarial musulmana, mozárabe y castellana pretende dilucidar el desarrollo temprano del albacea y, por medio de una comparación, descubrir su recepción jurídica del derecho musulmán y mozárabe en Toledo.

Abstract: The doctoral thesis examines the phenomenon of albacea from a legal historical perspective. This legal term for the “executor of a will“ in the Spanish Civil Code is traced back to its origins in high medieval Toledo. The analysis of Islamic, Mozarabic and Castilian notarial practice tries to shed light on the early development of the albacea and, by means of comparison, describe its legal reception from Islamic and Mozarabic law in Toledo.

Der Begriff albacea bezeichnet den Testamentsvollstrecker im geltenden spanischen Zivilrecht, Art. 892 ff. Código Civil. Die Dissertation untersucht das erstmalige Auftreten dieses Arabismus‘ in der kastilischen Urkundenpraxis des 11. bis 13. Jahrhundert. Sie verfolgt die Hypothese einer Rechtsrezeption des albacea aus der andalusisch-islamischen in die mozarabische und kastilische Rechtspraxis.

Dafür blickt die Analyse ins hochmittelalterliche Toledo. Kurz vor der Eroberung der Stadt im Jahre 1085 durch den christlichen Herrscher Alfons VI. (reg. 1065–1109/ gest. 1109) verfasste dort der muslimische Rechtsgelehrte Ibn Muġīṯ eine Sammlung notarieller Formulare unter dem Titel Al-muqniʿ fī ʿilm aš-šurūṭ (ed. Aguirre Sádaba). Darin tritt der islamische Testamentsvollstrecker unter dem Begriff des al-waṣī auf, der zugleich als der sprachliche Ursprung von albacea angesehen wird.

Die Arbeit formuliert die These, dass die lateinisch-kastilische Urkundenpraxis den islamischen waṣī nicht unmittelbar als albacea übernommen hat. Vielmehr findet sich zunächst der arabische waṣī in der Urkundenpraxis der arabisierten Christen Toledos wieder. Diese sogenannten Mozaraber beurkundeten noch bis Ende des 13. Jahrhunderts auf Arabisch: Ihre Testamente und Kaufverträge (ed. González Palencia und Ferrando) zeigen einen christlichen waṣī, der sich auf rechtlicher Ebene weitgehend, aber nicht vollständig, mit dem islamrechtlichen waṣī deckt. 

Erst im Übergang von der mozarabischen zur lateinisch-kastilischen Urkundenpraxis Toledos wurde die Figur des albacea entwickelt. Kastilische Testamente und Kaufverträge, die im Archivo Catedral de Toledo verwahrt werden und aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen, zeugen vom erstmaligen Auftreten des albacea und von den anfänglichen Schwierigkeiten der Notare im Umgang mit dem Arabismus. Der kastilische albacea stimmt rechtlich wiederum nur teilweise mit dem mozarabischen waṣī überein.

Die Arbeit diskutiert, ob sich dieses Phänomen als Rechtsrezeption einordnen lässt. Dabei findet auch der Umstand Berücksichtigung, dass die zeitgenössische Urkundenpraxis eine Vielzahl von weiteren Begriffen wie cabezalero oder testamentario für den Testamentsvollstrecker kennt. Diese decken sich rechtlich mit dem albacea, daher scheint die Präferenz der toledanischen Notare für den Arabismus nicht auf einem juristischen Alleinstellungsmerkmal des albacea zu gründen. Auffallend ist vielmehr, dass die toledaner Christen häufig Arabismen zur Bezeichnung hoher Ämter wählten. Aus dieser Zeit stammt zum Beispiel der arabischstämmige Begriff für den Bürgermeister, alcalde. Der albacea könnte daher aufgrund einer besonderen gesellschaftlichen Autorität arabischstämmiger Amtsbezeichnungen bevorzugt worden sein.

Die Arbeit formuliert vor diesem Hintergrund weitergehenden Forschungsbedarf zum albacea. Das Ergebnis der Rezeptionsuntersuchung wird in den allgemeineren Kontext der Rezeptionsfähigkeit erbrechtlicher Instrumente und des Verhältnisses der latein-europäischen zur islamischen Rechtsgeschichte gestellt.

Die Dissertation wird betreut von Herrn Prof. Dr. Christian Baldus, Direktor der Romanistischen Abteilung des Instituts für geschichtliche Rechtswissenschaft, Juristische Fakultät, Universität Heidelberg.


Photo: ©Archivo Catedral de Toledo, I.4.B.1.1.r